Die Frage ist einfach zu beantworten : Im Südwesten von Berlin, dort wo die bürgerliche Mitte Berlins zuhause ist. Seit einigen Tagen sind Zweifel angebracht. Eine Berliner Tageszeitung titelte ihren Kommentar : Steglitz nahe bei Dresden. Was ist der Grund?

Ein Antrag der PDS Vertreterin in der BVV, am 8. Mai den 60. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus mit einem Gedenken an die Opfer derjenigen zu verbinden, die für die Befreiung ihr Leben ließen oder ihr Leben lang von den Folgen gezeichnet waren, physisch und psychisch. CDU und FDP änderten mit ihrer „bürgerlichen“ Mehrheit den Antrag dahin, dass man am 8. Mai auch der deutschen Opfer des Faschismus gedenken sollte und auch der Opfer der Vertreibung durch die Rote Armee. Hier treffen sich die bürgerlichen Parteien aus Steglitz – Zehlendorf mit den NPD Abgeordneten des Sächsischen Landtages, die die Bombardierung Dresdens als „Bomben – Holocaust“ bezeichneten.

Cornelius Weiß, Alterspräsident des Sächsischen Landtages und Fraktionsvorsitzender der SPD, der die Bombardierung selbst erlebt hatte, rief in Erinnerung : erst brannten die Bücher, dann die Synagogen und dann brachten die Bomber das Schrecken in deutsche Städte zurück.

Nun stehen die Berliner Landsvorstände der CDU und FDP den BVV – Fraktionen in Steglitz Zehlendorf bei. Die Situation wird durch Starrsinn und Uneinsichtigkeit verschärft. In welcher Stadt leben wir? Vor zehn Jahren erlebten wir in Steglitz eine ähnliche Situation. Die bürgerlichen Parteien kämpften massiv gegen die Aufstellung der Spiegelwand auf dem Hermann Ehlers Platz, die Spiegelwand mit den Namen der Opfer des Faschismus aus Steglitz.

Am 30. Januar 1933, am Tag der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten, wurden aus dem Zehlendorfer Bezirksamt Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden aus den Ämtern gejagt, darunter der Betriebsratsvorsitzende des Bezirksamtes und der Rektor der Zinnowwaldschule. Nichts erinnert heute in Zehlendorf daran. Seit nunmehr 15 Jahren kämpfen Sozialdemokraten, Gewerkschafter, die Sozialistische Jugend „Die Falken“ und viele Antifaschisten aus dem Bezirk darum, eine Gedenktafel am Rathaus anzubringen. Zuletzt am vergangenen Montag. Nun ist deutlich geworden, warum das nicht passiert.

Alle Demokraten und Antifaschisten in Berlin sind aufgefordert, diesem Treiben ein Ende zu setzen. Nicht nur in Sachsen sind die Faschisten im Nadelstreifen aktiv, mitten unter uns im Gewande von bürgerlichen Parteien sind die Köpfe wieder anfällig. Es geht nicht darum, den deutschen Opfern 60 Jahre nach Kriegsende nicht die gebotene Würdigung zu verweigern. Dies wird angemessen geschehen. Am Tag der Befreiung kann man nicht gleichzeitig den deutschen Opfern gedenken. Wer so denkt, hat Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass der 8. Mai ein Tag der Befreiung war.

Die nächste Sitzung der BVV Steglitz Zehlendorf ist am 16. Februar 2005. Wenn es bis dahin keine klaren Antworten aus der BVV oder dem Bezirksamt gibt, werden die Initiatoren für eine Gedenktafel am Rathaus vor dem Rathaus öffentlich protestieren.

 

Peter Senft

 

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