Januar 2008

 

Seit drei Jahren führt die Dahlemer SPD eine bemerkenswerte Reihe zum Berliner Siedlungswesen durch, zu Max und Bruno Taut, Martin Wagner und anderen. Seitdem haben wir auf drei Touren zu Taut Berlin per Reise-Bus kennengelernt. Die Resonanz auf unser Angebot war so gigantisch – und nie erwartet. Taut I (Grünau, Oberschöneweide, Hufeisensiedlung, Lindenhof und Onkel-Tom-Siedlung) haben wir jetzt zum dritten Male durchgeführt – mit insgesamt weit über einhundert Teilnehmern. Taut II (Eichkamp. Hakenfelde, Wei?e Stadt,Schillerpark etc) und Taut III (Eichwalde, Weissensee, Carl-Legien-Siedlung) fanden auch jeweils zweimal mit 90 Teilnehmern statt. Hierfür einen besonderen Dank an den uns jeweils begleitenden Historiker Jacques Schwarz – für seine jeweiligen Materialien („hand out“ neumodisch) und fachkundig Richard Röhrbein.

Zwei Stadtrundgänge zum Berliner Siedlungswesen haben wir zu Fuss um den Breitenbachplatz durchgeführt und nach Neukölln, u.a. zur dortigen Karl-Marx-Schule, heute Ernst-Abbe-Schule.

Inzwischen haben wir den Radius dieser historischen Fahrten mit spannenden Tagesausflügen erweitert nach Eberswalde u.a. zur Kupferfabrik, ins rote Luckenwalde- zu Mendelsohns Hutfabrik und der Friedrich-Ebert-Schule- und Trebbin, nach Dresden-Hellerau und zur Gartenstadt Marga.

Wir haben die superspannende Reise ins mittelschlesische Breslau/Wroclaw, einem alten Zentrum der deutschen Arbeiterbewegung in diesem Jahr zweimal durchgeführt (insgesamt 90 Teilnehmer!). Besichtigt haben wir die Innenstadt (Markthalle/Hala Targowa (Richard Plüddemann), ehem. Geschäftshaus Junkernstra?e (Hans Poelzig), ehem. Kaufhaus Petersdorff/Kamaleon (Erich Mendelsohn), ehem. Kaufhaus Wertheim/Centrum (Hermann Dernburg),das mittelalterliche Ghetto u.a.) sowie das Gelände der Jahrhundertausstellung 1913 (Gesamtplanung: Hans Poelzig) mit der Jahrhunderthalle (Max Berg), der Werkbundausstellung WUWA (Wohnung und Werkraum) 1929 mit Bauten von Paul Häusler, Adolf Rading, Hans Scharoun u.a. und nach Zimpel, einer geschlossenen Siedlung aus den zwanziger Jahren. Logisch gehört ein Besuch am Grab Ferdinand Lassalles (1825-1864) zu unserem Programm. Diese Fahrt endete einmal im herrlichen Schloss Fürstenstein (Ksiaz) in der NS-Planung Sitz hunderter unterirdiscxher Tunnel und Verwaltungen, das anderemal in der Holzkirche in swidnica (Schweidnitz). Neu folgte die Fahrt nach„Magdeburg“ am 3. Oktober . Magdeburg war einst „die rote Stadt im roten Land“, hie? aber auch „das bunte Magdeburg“, Bruno Taut war von 1921 bis 1923 dort Stadtbaurat; wir besichtigen die Gartenstadt-Kolonie Reform (u.a. Bruno Taut) und verschiedener Siedlungen aus den zwanziger Jahren. Es ergab sich ein neues Bild über diese Stadt.

Warum machen wir diese Fahrten: diese Fahrten zeigen wichtige Elemente von Kommunalpolitik der zwanziger Jahre, sie zeigen reales Leben, welches aus der Enge der Mietskasernen und Hinterhöfe hin zu hellen, lebensfrohen Wohnformen ausbrechen wollte , die damals revolutionär waren. Interessant sind oft die Anknüpfungspunkte zur fortschrittlichen Bildungsreform der zwanziger Jahre. Alle Reformer hatten mit den politischen Gegner zu kämpfen , wurden immer wieder von der Reaktion und der Polizei bedroht.

Und: viele unserer Mitfahrenden sind in solchen Wohnformen aufgewachsen. Wir werden am 1. Dezember diese Besuche einmal sorgfältig auswerten. Sie haben sich insgesamt sehr gelohnt. Man sieht Stadt jetzt mit anderen, mit politischeren Augen.

 

B. Zimmermann

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