Das Dahlemer Kamingespräch der Dahlemer SPD am 21. Mai 2007 mit Jürgen Zöllner war ein voller Erfolg. Die Anforderungen an Schule und Lehrkräfte haben sich stark verändert. Die Vielzahl der gleichzeitig begonnenen Reformen führen bei der Umsetzung zu Verunsicherungen und Problemen. Es gab also einen gewaltigen Problemdruck. Wir hatten diese Veranstaltung auf 70 Personen geplant, mussten umziehen und hatten einen Andrang von 250 Besuchern. Auch nach der Pause blieben noch über 100 Besucher bis 23 Uhr, nach der Veranstaltung diskutierten noch etliche bis ein Uhr mit Jürgen Zöllner. Fazit dieser Veranstaltung: Natürlich sind die Ergebnisse der PISA-Studien für die Bundesrepublik nicht vollständig übertragbar. Aber peinlich sind sie schon . Denn kein internationales Bildungssystem ist so teuer und so ineffizient, wie das deutsche.

Die Tagesversorgung für Schüler ist so schlecht wie nirgendwo. Ideologische Scheuklappen haben diesen Blick jahrzehntelang verstellt. Die Ganztagsschule ist absolut notwendig, was nicht heißt, dass die Art und Weise der Umsetzung und Planung etwa gelungen sei.

Das dreigliedrige Schulsystem ist anachronistisch und behindert die Entwicklung von Schülern. In keinem Land wird eine Aufteilung der Schüler bereits mit 10 Jahren vollzogen. Von daher ist die Forderung nach grundständigen Gymnasien eine konservative Steinzeitforderung aus der Vor-PISA-Zeit.

Selbst die bundesdeutschen Gymnasien schneiden im Vergleich schlecht ab : Selektion fördert die Entwicklung eben nicht, d. h. ein gymnasiales Standesdünkel hilft Kindern und Jugendlichen gar nicht.

Integrative Systeme in einer Schule statt Selektion ist die Antwort aus PISA.

So merkwürdig es klingt, statt manche Strukturen des DDR-Schulsystems prinzipiell zu zerschlagen, hätten wir es übernehmend verändern sollen. So wie es die Finnen getan haben, die das DDR-Bildungssystem als Grundlage ihrer Veränderungen genommen haben und sich so an die PISA-Spitze katapultiert haben.

Jürgen Zöllner ist ein hervorragender Senator. Er kommt gut an. Jetzt ist aber die Zeit der Ankündigungen vorbei – jetzt muss umgesetzt werden. Einige Dinge haben sich in den letzten Jahren verändert: es sind wichtige Strukturveränderungen angebahnt, hier hat Klaus Böger vieles richtig eingeleitet (vielleicht zu schnell ?). Berlin hat ein neues Schulgesetz, aber die Lehrerinnen und Lehrer, das Klima in der Schule ist katastrophal, die Kollegien überaltert und entmotiviert. Aber es sind mit der Ganztagsschule richtige Weichen gestellt.

Und : das zeigt die Veranstaltung auf der Dahlemer Domäne: die Stimmung in der Elternschaft ist zurecht fordernd, aber sie wollen die Ganztagsschule. Hier ist die Stimmung völlig gekippt im Sinne alter sozialdemokratischer Forderungen, dies gilt es jetzt aufzugreifen. Wir müssen im Kleinen verändern und verbessern, aber die Linie der Schulreform aufgreifen, auch in Richtung Bundesebene. Trotz Föderalismusreform I.

Deshalb führen wir im September in Zusammenarbeit mit dem BALI-Kino am Donnerstag, den 13. und 27. September jeweils ab 18.30 Uhr zwei Filme von Reinhard Kahl vor:

Donnerstag, 13.9.2007 18.30 „Spitze -Schulen am Wendekreis der Pädagogik – warum Schulen in Skandinavien gelingen“

und Donnerstag, den 27.9.2007 18.30 „Treibhäuser der Zukunft. Wie in Deutschland Schulen gelingen“ . Anschließend diskutieren wir mit ExpertInnen

Reinhard Kahl ist ein bekannter Bildungsjournalist, der gerade 21.-23. September in Hamburg einen Kongress der Schulerneuerer organisiert. ( www.adz-netzwerk.de/kongress ) Dort hält mit Hartmut von Hentig der Nestor der deutschen Pädagogik das Hauptreferat: „Bildung ist mehr als PISA“. Uns geht es mit diesen Veranstaltungen im BALI-Kino nicht um das Klein-Klein der aktuellen Situation, sondern wie können wir Visionen aufzeigen für den Schulalltag, die anderswo Realität sind.

 

B. Zimmermann

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